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WER IST DIESER HANS BLÜCHER?

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Hans sah das Schild. Es gefiel ihm. Schwarz, hauptsächlich schwarz und irgendwie anders. Deshalb betrat er die spärlich erleuchteten Räume. Uninteressiert erwiderte er die Blicke der Türsteher. Diese ließen ihn hindurch. Sie deuteten seinen leeren Blick als Arroganz wodurch sie ihn als ihresgleichen einstuften. Dabei war es der Hunger und die Aussicht auf ein Bierchen, natürlich auch die lange Nacht gestern, die ihn müde und hohl aussehen ließ.

Hans schlurfte an den Menschen in Schwarz vorbei, suchte den Tresen. Er drängte sich durch die kleinen Gruppen, in denen die Leute herumstanden. Erst jetzt bemerkte er aus den Augenwinkeln Bilder an den Wänden, die durch bunte Spots beleuchtet wurden. Anscheinend war es doch keine Kneipe in der er gelandet war. Eine Theke gab es jedenfalls nicht, nur einige Heinis die mit Tabletts voll Prosecco durch den Raum schwebten. Was soll’s, dachte er sich und griff nach einem Glas. Er stellte sich abseits und betrachtete gedankenverloren die Bilder. Eines war nur schwarz, ganz schwarz. Es wurde durch einen gelben Spot beleuchtet. Nahtlos schwenkten Hans Gedanken um. Der BVB hatte mal wieder gewonnen. Hans ging im Geist die entscheidenden Szenen des Spiels noch einmal durch. Er setzte das langstielige Glas an und trank einen großen Schluck. Der Hunger meldete sich stärker, als das prickelnde Getränk seine Magenwände traf. Suchend sah er sich nach etwas Essbarem um. Die Leute hatten sich inzwischen in der Mitte des Raumes versammelt und hörten einer Ansprache zu, nickten aufmerksam. Hans verstand kein Wort. Aber es klang gut.

Aus der Masse der Gesichter lächelten ihn plötzlich zwei Augen an. Rote kurze Haare, nett. Anders als der Rest hier. In Sekundenbruchteilen schoss das Urteil durch Hans Kopf. Ohne es zu merken verzog sich sein Gesicht zu einem müden Lächeln. Zerstreut fuhr er sich durch die Haare. Als sich sein Blick wieder hob war sie verschwunden. Es gab keinen Grund mehr zu bleiben. Essen gab es nicht, sein Glas war leer, die Augen verschwunden. Hans lief noch eine Weile durch die Stadt. Der Regen prasselte ins Hafenbecken. An der Ecke vor seiner Wohnung holte er sich beim Türken sein übliches Kafta-Mishwi. Dort traf er seine Kurányi hassende Nachbarin in ihrem Auswärtstrikot und wechselte ein paar Worte mit ihr. Als er endlich in sein Bett sank fragte er sich wie so oft in letzter Zeit: „War das alles?“

Text: Melanie Weber (Auszug aus dem sich in Vorbereitung befindenen Roman...)